“Die Mafia fühlt sich auf der Insel sicher”

Fabio De Masi (DIE LINKE.) im Zeit Online Interview über den Mord an der maltesischen Aufdeckerjournalistin Daphne Caruana Galizia. Das Interview in Auszügen:

ZEIT ONLINE: Daphne Caruana Galizia war eine regierungskritische Investigativjournalistin. Sie berichtete über korrupte Politiker, die Mafia und arbeitete an den Panama Papers mit. Nun wurde sie durch eine Autobombe auf Malta getötet. Wie kann so etwas in einem EU-Staat passieren?

 Fabio De Masi: Malta ist ein Mafia-Staat – das hat der Sohn der getöteten Journalistin gesagt und damit hat er recht. Auf Malta herrscht eine Kultur der Straflosigkeit. Das Land zieht Geld an, an dem auch Blut klebt. Im Gegenzug verteilt der Staat Jobs und Gefälligkeiten, auch das haben die Recherchen von Galizia gezeigt. In so einem Land muss man leider mit allem rechnen, auch mit Autobomben, die sich gegen Gegner dieses Systems richten.

ZEIT ONLINE: Wie genau sieht diese Verstrickung zwischen Staat und Mafia aus?

De Masi: Es ist kein Geheimnis, dass auf Malta zum Beispiel Mafia-Geld im Online-Glücksspiel gewaschen wird. Insgesamt macht der dabei generierte Umsatz bis zu zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, das ist zehnmal höher als im EU-Durchschnitt! Die italienische Mafia, vor allem die ‘Ndrangheta, ist dementsprechend aktiv auf Malta, wozu auch Briefkastenfirmen gehören. Ich habe keine Belege dafür, dass bestimmte Politiker direkt mit der Mafia arbeiten. Es gab aber in den vergangenen Jahren auf Malta Korruptionsfälle, in denen auch Regierungspolitiker verwickelt waren. Durch die Panama Papers konnten Minister in Zusammenhang mit Offshore-Konten gebracht werden. Sie sind immer noch in Amt und Würden.

ZEIT ONLINE: Die Autobombe gegen Galizia war nicht die erste auf Malta. Es gab in den vergangenen Jahren mehrere solcher Anschläge.

De Masi: Ferngesteuerte Autobomben gehören zur typischen Handschrift der Mafia. Dass es immer wieder solche Anschläge auf Malta gibt, zeigt uns, dass die Mafia sich dort sicher fühlt. Der Fisch stinkt also vom Kopf her.

Das gesamte Interview kann hier nachgelesen werden.